Sol Gabetta auf den Spuren von Lise Cristiani

Meisterwerk
Wer soll ausgezeichnet werden?:
Konzerthaus Dortmund

Zeitraum: 6. März 2026

Kurzprofil:

Am 6. März 2026 begab sich Sol Gabetta mit ihrer Cappella Gabetta im Konzerthaus Dortmund auf die Spuren von Lise Cristiani – einer mutigen Musikerin, die im 19. Jahrhundert entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen das Violoncello zu ihrem Instrument machte und damit eine internationale Karriere als professionelle Cellistin wagte. Was für Frauen ihrer Zeit als unschicklich und unangemessen galt, wurde für Cristiani zum künstlerischen Ausdruck und zum Weg auf die großen Konzertbühnen Europas. Dennoch geriet ihr Name nach ihrem frühen Tod weitgehend in Vergessenheit. Sol Gabetta machte diese außergewöhnliche Biografie zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Spurensuche. Sie erschloss Cristianis musikalische Welt und ließ das Repertoire ihrer Zeitgenossen – darunter Rossini, Servais, Schubert, Donizetti, Onslow und Offenbach – auf höchstem Niveau wieder lebendig werden. Das Konzert war ausverkauft und verband musikalische Virtuosität, romantische Klangsprache und historische Wiederentdeckung zu einem besonderen Live-Erlebnis. Das Konzerthaus Dortmund erweiterte dieses künstlerische Ereignis bewusst um eine gesellschaftliche Dimension. Rund 140 Vertreterinnen verschiedener Frauenverbände wurden rund um den Internationalen Frauentag ins Haus eingeladen. Eine Führung, ein Empfang und die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung und zum Austausch mit Sol Gabetta machten das Konzerthaus zum Ort von Vernetzung und Inspiration. So schlug der Abend eine Brücke zwischen einer außergewöhnlichen Frau des 19. Jahrhunderts und Frauen, die heute Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur gestalten. In dieser Verbindung liegt seine herausragende Qualität: Das Konzert verband musikalische Exzellenz mit der Wiederentdeckung einer mutigen Pionierin und öffnete zugleich das Konzerthaus als Ort gesellschaftlicher Begegnung. Damit zeigte es exemplarisch, wie ein klassisches Live-Ereignis neue Perspektiven schaffen und über den Konzertsaal hinaus Wirkung entfalten kann.

Begründung der Preiswürdigkeit:

Was macht ein Konzert zu einem Meisterwerk? Nicht allein die Qualität der Interpretation, sondern seine Kraft, Menschen zu berühren, etwas in ihnen zu bewegen, sie bestenfalls miteinander ins Gespräch zu bringen und Verbindungen entstehen zu lassen. So kann ein Konzert über die Musik hinaus Bedeutung gewinnen, für jede und jeden Einzelnen einen ganz persönlichen Wert entfalten und zugleich Gemeinschaft entstehen lassen. „Sol Gabetta auf den Spuren von Lise Cristiani“ erfüllte dieses Potenzial auf besondere Weise: Das Konzert machte eine vergessene Pionierin der Klassik wieder sichtbar, erschloss ein kaum bekanntes Repertoire neu und gab mit der Geschichte einer mutigen Musikerin Anlass für Austausch und Kommunikation in der Gegenwart. Lise Cristiani wagte im 19. Jahrhundert etwas, das für Frauen keineswegs selbstverständlich war: Sie machte das Violoncello zu ihrem öffentlichen Konzertinstrument und entwickelte daraus eine internationale Karriere. Die Haltung des Instruments galt für Frauen als unschicklich; Cristiani setzte sich über diese Konvention hinweg und begeisterte auf ihren Konzertreisen das Publikum in ganz Europa. Dennoch geriet ihr Name nach ihrem frühen Tod weitgehend in Vergessenheit. Sol Gabetta machte diese Geschichte nicht zum bloßen Anlass für eine Hommage, sondern zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Recherche. Sie setzte sich intensiv mit Cristianis Leben, ihrem musikalischen Umfeld und dem Repertoire ihrer Zeit auseinander. Historische Quellen und Partituren wurden erschlossen und teilweise neu ediert. Das Konzert machte diese musikalische Welt auf höchstem Niveau wieder hörbar und gab einer außergewöhnlichen Musikerin ihre Präsenz zurück. Die besondere Leistung des Konzerthaus Dortmund lag jedoch darin, diese künstlerische Wiederentdeckung mit einer gesellschaftlichen Begegnung zu verbinden. Rund 140 Vertreterinnen von Frauenverbänden wurden rund um den Internationalen Frauentag in das ausverkaufte Haus eingeladen. Darunter waren Soroptimistinnen aus ganz Deutschland. Eine Führung, ein Empfang und die Möglichkeit zum persönlichen Austausch mit Sol Gabetta machten aus dem Konzert einen Ort der Begegnung, Vernetzung und Inspiration. Damit wurde die Geschichte Lise Cristianis aus dem historischen Kontext in die Gegenwart übersetzt. Eine Frau, die vor fast 200 Jahren gesellschaftliche Grenzen überschritt, wurde zum Ausgangspunkt für den Austausch von Frauen, die heute Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur gestalten. Damit brauchte das Konzerthaus Menschen und Netzwerke ins Haus, die über den traditionellen Konzertbetrieb hinausreichen. Gerade diese Verbindung macht das Ereignis preiswürdig: Künstlerische Exzellenz und gesellschaftliche Relevanz wurden nicht additiv nebeneinandergestellt, sondern durch eine gemeinsame Idee miteinander verbunden. Das Konzert erschloss ein vergessenes Kapitel der Musikgeschichte, gab einer historischen Pionierin eine Stimme und nutzte ihre Geschichte zugleich, um neue Begegnungen im Konzerthaus zu ermöglichen. Es zeigt damit exemplarisch, was ein klassisches Live-Ereignis leisten kann: Es bewahrt nicht nur musikalisches Erbe, sondern schafft Resonanz zwischen Vergangenheit und Gegenwart und öffnet den Konzertsaal für neue gesellschaftliche Verbindungen. In dieser Verbindung von künstlerischer Meisterschaft und gesellschaftlicher Öffnung bringt das Konzert Menschen zusammen, schafft neue Perspektiven schaffen und entfaltet weit über seinen eigentlichen Aufführungsmoment hinaus Wirkung.
Foto: Björn Woll

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