Khatia Buniatishvili & Friends

Avantgarde
Wer soll ausgezeichnet werden?:
Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette GmbH ein Unternehmen der DK Deutsche Klassik GmbH

Zeitraum: 07.06.2026

Kurzprofil:

Am 7. Juni 2026 fand im Rahmen der Konzertreihe ProArte im Großen Saal der Elbphilharmonie ein Konzert mit außergewöhnlicher Strahlkraft statt: „Khatia Buniatishvili & Friends“ hieß das Projekt ganz schlicht und einladend. Dass sich hinter den „Friends“ Persönlichkeiten wie die Moderatorin Barbara Schöneberger, der Schauspieler Sebastian Koch, der Balletttänzer Hugo Marchand und die Sängerin Axelle Saint-Cirel verbargen, wurde erst bei genauerem Hinsehen deutlich. Die Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette hatte der Starpianistin im Rahmen ihrer ProArte-Residenz für das Abschlusskonzert eine Carte blanche ausgestellt: Die Pianistin durfte frei wählen, mit welchen Künstler:innen sie auftreten wollte, welches Thema und welche Musik im Fokus stehen sollte. Gemeinsam mit der KD Goette wurden ihre Ideen weiterentwickelt und das Konzept für „Khatia Buniatishvili & Friends“ erstellt. Unter dem Titel „Reise nach Paris. Eine musikalische Liebeserklärung an die Stadt des Lichts“ gestaltete Khatia Buniatishvili mit ihren Bühnengefährten eine sehr persönliche Hommage an ihre Wahlheimatstadt Paris. Klavierwerke von Chopin und Rachmaninow sowie Lieder von Francis Poulenc, Lili Boulanger und Hector Berlioz bildeten ein musikalisches Panorama des Sehnsuchtsorts Paris. Dazwischen eingeflochten wurden Gedichte von Rainer Maria Rilke, der viele Jahre seines Lebens in Paris verbracht hat, sowie eine Tanzchoreografie für Hugo Marchand, seines Zeichens Danseur étoile an der Pariser Oper. Überraschender Höhepunkt des Abends war der Auftritt des 11-jährigen Nachwuchsgeigers Jayden King, den Khatia Buniatishvili als Jurorin eines Musikwettbewerbs kennengelernt und spontan eingeladen hatte, mit einem Werk von Camille Saint-Saëns einen Beitrag zum Paris-Programm zu leisten. Der perfekte Übergang zum berühmten Karneval der Tiere von Saint-Saëns mit den Zwischentexten von Loriot, außergewöhnlich unterhaltsam vorgetragen von Barbara Schöneberger und Sebastian Koch.

Begründung der Preiswürdigkeit:

Mit dem Abschlusskonzert der ProArte-Residenz von Khatia Buniatishvili hat die Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette ein Format realisiert, das weit über das klassische Klavierrezital hinausweist und in besonderem Maße die Kriterien der Kategorie „Avantgarde“ erfüllt: kreative Konzeption und das bewusste Verlassen ausgetretener Pfade im klassischen Konzertbetrieb. Mut zur Carte blanche als kuratorisches Prinzip Anstatt der Künstlerin ein vorgefertigtes Programm vorzugeben, überließ die KD Goette Khatia Buniatishvili im Rahmen ihrer Residenz die volle künstlerische Freiheit über Thema, Musik und Mitwirkende – und entwickelte gemeinsam mit ihr daraus ein tragfähiges, dramaturgisch stimmiges Konzept. Diese Offenheit für einen künstlergetriebenen Prozess ist im etablierten Klassikbetrieb keine Selbstverständlichkeit und zeugt von unternehmerischem wie künstlerischem Mut. Interdisziplinarität als Konzepttreiber Das Ergebnis war kein bloßes „Klavierkonzert mit Gästen“, sondern ein genuin interdisziplinärer Abend: Pianistische Virtuosität (Chopin, Rachmaninow, Saint-Saëns) traf auf Kunstlied (Poulenc, Boulanger, Fauré), Tanz (Choreografie von Jean-Guillaume Bart für den Pariser Danseur étoile Hugo Marchand) sowie Literatur und Schauspiel (Rilke-Lyrik sowie Loriots Zwischentexte zum „Karneval der Tiere“, vorgetragen von Barbara Schöneberger und Sebastian Koch). Diese Verschränkung unterschiedlicher künstlerischer Disziplinen zu einem in sich geschlossenen, thematisch stringenten Paris-Porträt ist konzeptionell anspruchsvoll und in dieser Konsequenz selten. Überraschungsmomente statt Routine Der spontane Auftritt des elfjährigen Nachwuchsgeigers Jayden King, der im Mai 2026 den ORF-Wettbewerb „Die goldene Note“ gewonnen hat und daraufhin von Jurymitglied Khatia Buniatishvili zu ihrem Konzert in Hamburg eingeladen wurde, zeigt, dass das Konzept nicht auf Star-Prominenz allein setzte, sondern bewusst Raum für unverstellte künstlerische Entdeckung und Förderung schuf, eingebettet in ein dramaturgisch überzeugendes Programm. Publikumswirkung Durch die Verbindung von Klassik-Ikone, Fernsehpersönlichkeiten, Ballett-Weltstar und Nachwuchstalent gelang es, ein Publikum jenseits des klassischen Kernpublikums anzusprechen und für die klassische Musik zu begeistern, ohne den künstlerischen Anspruch zu verwässern – ein zentrales Anliegen zeitgemäßer Konzertdramaturgie und ein Beleg für die Zukunftsfähigkeit des Formats. Fazit „Khatia Buniatishvili & Friends“ steht exemplarisch für das, was die Kategorie „Avantgarde" auszeichnen soll: ein Veranstalter, der mit kreativem Konzept, künstlerischem Vertrauen und genreübergreifender Dramaturgie neue Wege im Konzertbetrieb geht und dabei ein neues, breiteres Publikum für die klassische Musik gewinnt.
Foto: Gesche Jäger/DK
Foto: Gesche Jäger/DK
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Foto: Gesche Jäger/DK
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