Beethovenfest Bonn 2025 – Alles ultra

Meisterwerk
Wer soll ausgezeichnet werden?:
Internationale Beethovenfeste gGmbH

Zeitraum: 28. August–27. September 2025

Kurzprofil:

Das Beethovenfest Bonn gehört zu den traditionsreichen Klassikfestivals Deutschlands. Seine Geschichte reicht bis 1845 zurück, seit 1999 findet es jährlich in Beethovens Geburtsstadt statt. Veranstaltet wird es von der Internationale Beethovenfeste Bonn gGmbH.

Unter der Intendanz von Steven Walter hat sich das Festival in den vergangenen Jahren programmatisch weit über den klassischen Konzertsaal hinaus geöffnet. Neben internationalen Orchestern, Solist*innen und Kammermusikensembles gehören neue Konzertdramaturgien, ungewöhnliche Spielorte, partizipative Formate und eigene künstlerische Entwicklungsprogramme zum Profil.

2025 stand das Beethovenfest unter dem Motto „Alles ultra“. Mehr als 100 Konzerte, Open Airs, Talks und Workshops mit rund 270 Künstler*innen und Orchestern fanden an 46 Orten in Bonn und der Region statt. Mehr als 30.000 Menschen besuchten den Festivaljahrgang. Anastasia Kobekina war Residenzkünstlerin, das Jerusalem Quartet gestaltete als Residenzensemble einen vollständigen Zyklus aller 15 Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch.

Die Beethovenhalle war während des Festivals weiterhin geschlossen. Das Programm verteilte sich auf Konzertsäle, Kirchen, Theater, öffentliche Plätze und weitere Spielorte in der Stadt und der Region.

Begründung der Preiswürdigkeit:

Bei „Alles ultra“ wurde das klassische Konzert selbst zum Gegenstand der Gestaltung. Besonders konzentriert zeigte sich das am 20. September bei „Alles ultra: Das Konzert“ im 27. Stock des Hochhauses am Bundeskanzlerplatz. Schon am Eingang wurde das Publikum in zwei Gruppen geteilt und wechselte zwischen verschiedenen Konzertteilen. Schuberts Streichquintett und Brahms’ Klavierquintett trafen auf zeitgenössische Werke, interpretiert vom Tacet(i) Ensemble aus Thailand, inszenierte Übergänge und Interventionen. Aus einem Kammermusikabend entstand eine durchkomponierte Dramaturgie aus Musik, Raum und Bewegung.

Das blieb kein einzelnes Experiment. Bereits zum Eröffnungskonzert spielte das Aurora Orchestra Schostakowitschs 5. Sinfonie auswendig und stehend. Mit „Die Odyssee“ brachte das Beethovenfest wenige Tage später eine eigene Auftragsarbeit zur Uraufführung. Fellow Ketan Bhatti komponierte die Sprechoper für Schauspieler*innen und Orchester, realisiert wurde sie gemeinsam mit dem Theater Bonn und dem Beethoven Orchester Bonn in sieben Vorstellungen.

Den Gegenpol bildete ein Programm, das sich zugleich mit großer Konsequenz dem klassischen Repertoire widmete. Das Jerusalem Quartet spielte sämtliche 15 Streichquartette Schostakowitschs, Anastasia Kobekina prägte den Festivaljahrgang als Residenzkünstlerin und zum Abschluss gastierte das Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer. Die neuen Formen standen damit nicht anstelle der Klassik. Sie erweiterten die Möglichkeiten, wie sie auf der Bühne, im Raum und gemeinsam mit dem Publikum erlebt werden kann.

Die eigene Handschrift des Beethovenfests reichte über einzelne Konzertabende hinaus. Kompositionsauftrag und Fellowship bei „Die Odyssee“, das neu geschaffene Programm Beethovenfest Talents und die sogenannten Ultra-Interventionen verbanden künstlerische Entwicklung mit der Arbeit am Konzerterlebnis. Diese Haltung trug einen vierwöchigen Festivaljahrgang, der weiterhin ohne sein Stammhaus auskommen musste.

Auch außerhalb der eigenen Festivalkommunikation wurde diese Ausrichtung wahrgenommen. Das Opernmagazin sprach von einer „sensationellen Eröffnung“ und hob die Öffnung des Beethovenfests in die Stadtgesellschaft hervor. Klassik-begeistert beschrieb das auswendige und stehende Spiel des Aurora Orchestra als „sehr frisches, neues Hörerlebnis“. „Die Odyssee“ wiederum bezeichnete das Opernmagazin als das wohl ambitionierteste Projekt des Festivaljahrgangs.

2025 war zugleich das letzte Beethovenfest vor der Wiedereröffnung der Beethovenhalle im Dezember. Am Ende dieser langen Phase ohne Stammhaus zeigte „Alles ultra“, wie weit sich ein traditionsreiches Klassikfestival räumlich und dramaturgisch öffnen kann, ohne seinen musikalischen Kern aufzugeben.
Foto: Daniel Dittus
Foto: Neklame Klasohm
Foto: Neklame Klasohm
Foto: Neklame Klasohm
Foto: Tamas Leko

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