Beethovenfest Bonn – Vom Messen zum Handeln

Impact
Wer soll ausgezeichnet werden?:
Internationale Beethovenfeste Bonn gGmbH

Zeitraum: 28. August–27. September 2025

Kurzprofil:

Das Beethovenfest Bonn geht auf das Jahr 1845 zurück und wird seit seiner Neugründung 1999 jährlich in Beethovens Geburtsstadt veranstaltet. 2025 brachte es mehr als 100 Konzerte, Open Airs, Talks und Workshops an 46 Orten in Bonn und der Region zusammen – von etablierten Konzertsälen bis zu ungewöhnlichen Spielorten wie einer Pralinenproduktion, einem Operationssaal oder einem historischen Rheinschiff.

Beim Beethovenfest Bonn spielt Nachhaltigkeit seit mehreren Jahren eine zentrale Rolle in der Festivalorganisation. Seit 2023 arbeitet die Internationale Beethovenfeste Bonn gGmbH daran, klimaschädliche Emissionen systematisch zu erfassen und den Festivalbetrieb auf dieser Grundlage weiterzuentwickeln. Begleitet wurde der Prozess durch das Öko-Institut e. V. im Rahmen der Initiative Culture4Climate.

Inzwischen gehören ein eigenes Monitoring und eine Nachhaltigkeitsstrategie ebenso dazu wie konkrete Maßnahmen bzgl. Mobilität und im Festivalbetrieb. Für die Anreise des Publikums arbeitet das Beethovenfest unter anderem mit dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) zusammen. Der eigene Fuhrpark wurde elektrifiziert und sowohl Kompensation von CO₂-Emissionen als auch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten sind fest im Geschäftsalltag integriert.

Auch im Festivalprogramm greift das Beethovenfest gesellschaftliche Transformationsfragen auf. 2025 eröffnete die Transformationsforscherin Maja Göpel das Festival mit einem Vortrag über die Herausforderungen der Gegenwart und die Frage, wie Veränderung gestaltet werden kann. Die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit findet damit sowohl in der Organisation des Festivals als auch mit dem Publikum statt.

Begründung der Preiswürdigkeit:

2022 nahm das Beethovenfest erstmals die eigenen Emissionen genauer in den Blick. Den Anfang machte die Treibhausgasbilanz eines einzelnen Konzerts. Seit 2023 findet ein umfangreicher Prozess zur Evaluation der klimaschädlichen Emissionen im Zusammenhang mit dem Festival statt. Für 2024 bilanzierte das Öko-Institut e. V. das gesamte Beethovenfest.

Beim Bilanzieren blieb es nicht. Das Beethovenfest entwickelte ein Monitoring und eine Nachhaltigkeitsstrategie und leitete daraus Maßnahmen für den laufenden Festivalbetrieb ab. Den eigenen Fuhrpark hat das Festival gemeinsam mit einem Mobilitätspartner elektrifiziert. CO₂-Emissionen, die durch Print- und Online-Medien freigesetzt werden, werden ebenso kompensiert wie die An- und Abreise der Festivalkünstler:innen.

Der Blick richtet sich zugleich auf einen Bereich, den ein Festival nur schwer selbst steuern kann. Das eigene Monitoring identifiziert, wie viele andere Untersuchungen dieser Art, die Anreise des Publikums als größten Verursacher von Emissionen im Rahmen des Festivals. ÖPNV-Kooperationen und ein im Festivalticket integriertes Kombiticket für den regionalen ÖPNV setzen genau an dieser Mobilitätsfrage an. Dass sie damit nicht erledigt ist, gehört zu diesem Prozess: Ein international ausgerichtetes Festival bleibt auf Bewegung angewiesen und muss trotzdem nach den eigenen Handlungsmöglichkeiten fragen.

Über mehrere Jahre ist so aus der Bilanz eines einzelnen Konzerts ein neuer Blick und eine andere Arbeitsweise der Festivalorganisation entstanden. Culture4Climate nahm das Beethovenfest in „NEXT PRACTICE“ als Beispiel für klimaverantwortliches Handeln in Kulturorganisationen auf. Auch die Nachhaltige Kulturstrategie Bonn 2035 führt das Festival im Zusammenhang mit CO₂-Bilanzierung, Klimaschutzmaßnahmen und nachhaltiger Veranstaltungsorganisation an.
Foto: Neklame Klasohm