Slow Festival
Meisterwerk
Wer soll ausgezeichnet werden?:
Konzerthaus Dortmund
Konzerthaus Dortmund
Zeitraum: 1.-2. November 2025
Kurzprofil:
Das SLOW Festival des Konzerthaus Dortmund (1.-2.11.2025) war als 32-stündiges, durchgehend gestaltetes Konzert- und Erfahrungsformat einschließlich musikalischer Nachtwache konzipiert. Vor dem Hintergrund einer zunehmend von Beschleunigung geprägten Gesellschaft, in der Innehalten, achtsamer Umgang und Resonanzfähigkeit unter Druck geraten, setzte SLOW bewusst ein künstlerisches Gegenmodell: der Schnelllebigkeit die Stirn bieten und Aufmerksamkeit und Präsenz ins Zentrum rücken. Da hierfür ein typisches zweistündiges Konzert nicht genügend Zeit bietet, wurde ein zusammenhängendes Konzertsetting aus musikalischen Aufführungen, Raumdramaturgie und Publikumsinteraktion geschaffen: Ein Zeit-Raum, in den das Publikum bewusst eintritt, in dem Zeit relativ wird, in dem das Draußen sich schneller zu bewegen scheint als das Drinnen. Das künstlerische Programm bestand aus hochkarätig kuratierten Konzert- und Performanceformaten herausragender Interpret*innen, denen die Idee des SLOW Festivals auch ein persönliches Anliegen war, darunter Isabelle Faust, Pierre-Laurent Aimard, Cantando Admont, Hugo Ticciati und sein Ensemble O/Modernt. Bereits der Slow Walk als performativer Übergang vom Stadtraum ins Konzerthaus war Teil der Dramaturgie. Das Repertoire umfasste nicht ausschließlich langsame Werke, sondern reichte von kontemplativen Klangräumen aller Epochen bis hin zu Bachs Sonaten und Partiten als Form der musikalischen Versenkung. SLOW steht exemplarisch für das Selbstverständnis des Konzerthauses Dortmund: künstlerische Exzellenz mit gesellschaftlicher Relevanz zu verbinden und Konzertformate konsequent weiterzudenken. Das ganze Haus wurde zum Teil des Festivals, das Festival zum Ausdruck der Haltung des Hauses. Mit SLOW hat das Konzerthaus Dortmund damit neue Maßstäbe für das klassische Live-Erlebnis gesetzt: Es zeigt, wie ein Festival durch die Verbindung von musikalischer Exzellenz und dramaturgischer Konsequenz die Möglichkeiten der Klassik erweitern kann.
Begründung der Preiswürdigkeit:
In einer Zeit, in der Festivals immer größer, schneller und spektakulärer werden, entschied sich das Konzerthaus Dortmund bewusst für den entgegengesetzten Weg. SLOW war kein Festival, das um Aufmerksamkeit konkurrierte, sondern eines, das Aufmerksamkeit zurückgab. Charakteristisch für SLOW war die konsequente Ausdehnung der künstlerischen Idee auf das gesamte Haus. Unter der Haltung „Come in, calm down and hold the time“ wurden alle Bereiche des Konzerthauses – vom Empfang über Aufenthaltsangebote bis zur Künstlerbetreuung – Teil der Dramaturgie. Meditationen, Mindful Movement, Slow Food, Journaling, Origamifalten und ein über 32 Stunden hinweg entstehendes Sandmandala buddhistischer Mönche waren dabei keine reinen Begleitangebote, sondern Teil eines ganzheitlichen Live-Erlebnisses. Der Vortrag des Soziologen Hartmut Rosa vertiefte die künstlerische Idee um die Perspektiven von Resonanz, Aufmerksamkeit und Zeit. Gerade darin liegt seine Preiswürdigkeit in der Kategorie Meisterwerk. SLOW verzichtete bewusst auf den Wettbewerb um immer mehr Programmpunkte, immer höhere Taktung und immer größere Effekte. Stattdessen entwickelte das Konzerthaus Dortmund ein konsequent durchkomponiertes Live-Konzert- und Erfahrungsformat, das musikalische Exzellenz, Raum, Zeit und Begegnung zu einer künstlerischen Einheit verband. Das Festival bewies, dass die Kraft einer klaren Idee und ihre kompromisslose Umsetzung ein neues, maßstabsetzendes Konzerterlebnis hervorbringen können, das weit über das eigentliche Konzert hinausgeht und seine besondere Wirkung erst in der unmittelbaren Begegnung von Künstler*innen, Publikum, Raum und Zeit entfaltet. Seine künstlerische Exzellenz wurde durch internationale Künstlerpersönlichkeiten wie Isabelle Faust, Pierre-Laurent Aimard, Cantando Admont sowie Hugo Ticciati und sein Ensemble O/Modernt auf höchstem Niveau getragen. Gerade die Verbindung dieser musikalischen Qualität mit der konsequenten künstlerischen Idee machte SLOW zu einem Gesamtkunstwerk, das die Rolle des Konzerthauses im Live-Erlebnis neu definierte. SLOW entfaltete seine Wirkung bewusst über den Konzertsaal hinaus. Mit dem Slow Walk der Compagnie von Anne Teresa De Keersmaeker durch die Dortmunder Innenstadt und der musikalischen Nachtwache in der Petrikirche öffnete sich das Festival bewusst zum Stadtraum und schuf neue Verbindungen zwischen Künstlerinnen, Künstlern, Publikum, Konzerthaus und der Stadt. So wurde der öffentliche Raum Teil des Festivals eröffnete damit eine weitere Perspektive auf das Live-Konzerterlebnis. Mit dieser konsequenten Verbindung von musikalischer Spitzenqualität, innovativer Dramaturgie und einer klaren institutionellen Haltung entwickelte das Konzerthaus Dortmund ein Festival, das weit über den eigenen Veranstaltungsort hinaus Bedeutung entfaltet. SLOW zeigt, wie ein Konzerthaus seine Gestaltungskraft nutzen kann, um neue Formen des Live-Erlebnisses zu entwickeln und Impulse für die gesamte Branche zu setzen. Mit SLOW hat das Konzerthaus Dortmund nicht nur ein außergewöhnliches Festival geschaffen, sondern ein Live-Ereignis, das die Möglichkeiten des klassischen Konzerterlebnisses neu definiert. Es zeigt, dass künstlerische Exzellenz und der Mut, vertraute Formen zu hinterfragen, neue Maßstäbe für die Klassik setzen können. SLOW steht damit beispielhaft für ein Meisterwerk, das weit über den Moment hinausweist und die Zukunft des Live-Erlebnisses inspiriert.

Foto: Oliver Hitzegrad

Foto: Oliver Hitzegrad

Foto: Oliver Hitzegrad

Foto: Oliver Hitzegrad

Foto: Konzerthaus Dortmund
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