„ZOOM“-Konzert
Meisterwerk
Wer soll ausgezeichnet werden?:
Schleswig-Holstein Festival Orchestra (Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival)
Schleswig-Holstein Festival Orchestra (Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival)
Zeitraum: 18.07.2026
Kurzprofil:
Was geschieht, wenn die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum verschwindet? Das Format „ZOOM“ stellt diese Frage nicht theoretisch, sondern ganz praktisch: Es hebt die alte Konvention des Orchesterkonzerts auf und setzt das Publikum mitten in den Klangkörper hinein. Die Musikerinnen und Musiker des Schleswig-Holstein Festival Orchestra gruppieren sich frei im Raum, das Dirigentenpult wird zum Zentrum eines Kreises, in dem Zuhörende ihren Platz selbst wählen – und damit auch ihre ganz persönliche Perspektive auf das Werk. Je nachdem, ob man neben den Bläsern, inmitten der Streicher oder in Sichtweite des Schlagwerks sitzt, verschieben sich Klangfarben, Dynamik und Gewichtung des musikalischen Geschehens. Zugleich rückt etwas in den Vordergrund, das im klassischen Konzertsaal oft verborgen bleibt: der stille, hochkonzentrierte Dialog zwischen Dirigent und Orchester, die kleinen Blicke und Gesten, aus denen sich ein gemeinsamer Klang formt. In diesem Jahr übernahm der finnische Dirigent Pietari Inkinen diese exponierte Position im Zentrum des Geschehens für Beethovens Dritte Sinfonie, die „Eroica“ – ein Werk, das wie kaum ein anderes von inneren Spannungen, abrupten Kontrasten und orchestraler Wucht lebt. Das Publikum erlebte aus der Nähe diese Kontraste mit ungewohnter Direktheit und Körperlichkeit. In der zweiten Konzerthälfte erklang dieselbe Sinfonie ein zweites Mal, nun in klassischer Aufstellung und aus konventioneller Zuhörerperspektive. Dieser unmittelbare Vergleich machte auf eindrückliche Weise erfahrbar, wie sehr die Wahrnehmung eines Werks von seiner räumlichen Vermittlung abhängt und zeigte dem Publikum eine Dimension von musikalischen Meisterwerken, die im etablierten Konzertbetrieb selten erlebt wird.
Begründung der Preiswürdigkeit:
Mit „ZOOM“ hat das Schleswig-Holstein Festival Orchestra neue Maßstäbe in der Klassikszene gesetzt: Es hat die Grundarchitektur des Konzerterlebnisses zur Disposition gestellt, und gezeigt, dass Innovation in der Klassik nicht nur im Repertoire, sondern auch in der Form des Zuhörens liegen kann. Das Format bricht mit einer alten Gewissheit, der klaren Trennung von Podium und Publikum. Statt einer frontalen Anordnung sitzen die Musikerinnen und Musiker verteilt im Raum, das Dirigentenpult bildet das Zentrum eines Kreises, in dem sich die Zuhörenden ihren Platz – und damit ihre eigene klangliche Perspektive – frei wählen. Wer neben den Bläsern sitzt, hört ein anderes Werk als jemand inmitten der Streicher. Sichtbar wird zugleich, was im traditionellen Konzertsaal meist verborgen bleibt: die stille Verständigung zwischen Dirigent und Orchester, aus der sich musikalische Einheit erst formt. Dass sich dieses Konzept nicht nur als originelle Idee, sondern als musikalisch substanzielle Erfahrung erweist, zeigte sich in diesem Jahr mit Beethovens „Eroica“. Unter der Leitung des finnischen Dirigenten Pietari Inkinen entfaltete das Orchester die inneren Spannungen und dynamischen Brüche der Sinfonie mit einer sinnlichen Direktheit, die im klassischen Konzertformat kaum erreichbar ist. In der zweiten Konzerthälfte erklang die Sinfonie noch einmal, nun in klassischer Sitzordnung. Dieser unmittelbare Vergleich ließ das Publikum "haptisch" erfahren, wie sehr die räumliche Anordnung die Wahrnehmung eines Werks formt. Das Konzert zeigte, dass die Bedeutung von Musik nicht allein in Partitur und Interpretation liegt, sondern auch in der Art, wie wir ihr räumlich begegnen. Damit setzte „ZOOM“ einen herausragenden Impuls, der weit über diesen Abend hinausweist und das Potenzial hat, das klassische Konzertformat nachhaltig zu verändern.

Foto: SHMF

Foto: SHMF

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Zusätzliche Information: https://www.shmf.de/de/veranstaltung/zoom-2343
